Prinzipiell habe ich ja Sympathie für Versuche, alten Medien neuen Glanz anzupolieren. Ich dachte am Anfang auch, dass aus der alten Freitag was Neues und Schönes werden könnte, und war vom real existierenden Produkt reichlich enttäuscht. Ich schaue seitdem immer mal wieder rein, die Seite scheint stabiler zu sein, aber die Inhalte haben sich nicht wirklich gebessert, und die Ankumpelei an die Blogs hat man sich auch nicht abgewöhnt. Mich erinnert das ein wenig an das verblichene Zoomer, dem auch so einige den Untergang vorausgesagt haben, und die an einer ähnlich schrägen Form zu lange festgehalten haben: Der Schub des Beginns ist weg, und nun dümpelt man einfach mal so weiter in der Hoffnung, dass es besser wird. Es gab ja einiges an Kritik, aber kein erkennbares Lernen. Muss auch nicht. Sind ja nur blöde Blogger, die rumnerven.

Letzte Woche kam dann eine Anfrage, die mich etwas ratlos zurücklässt:

Wir versuchen seit unserem Relaunch im Februar Print und Online durchlässig zu gestalten. Communitybeiträge haben die Chance, im Print zu erscheinen etc.
Wir haben daher in jeder Ausgabe auch eine Blogspalte, in der wir schöne Blogs, die uns aufgefallen sind, veröffentlichen.

Welche Community hätte ich mit diesem Magazin? Warum sollte ich ein Interesse haben, deren Printprodukt mit meinem Schreiben durchlässig zu machen? Warum sollte ich durch eine Vorauswahl von denen in eine Blogspalte? Einfach so, weil Frühling ist und Rosen treiben?

Vielleicht ist es nur die tantenhafte Tonalität, dieses “Wir sind da jetzt total nett zu Dir” von einer Zeitschrift, die auf einem der bekannteren deutschen Blogs etwas findet und glaubt, man hätte das jetzt nötig, bei so einem Projekt in eine Spalte gequetscht zu werden. Der Beitrag ist um ein Bild herumgeschrieben, das sie so nicht übernehmen könnten, und es ist vin jemandem geschrieben, der nicht wirklich auf so ein projekt angewiesen ist, um im Print zu erscheinen. Keine Recherche? Einfach nur eine Standardmail?

Mal ganz abgesehen von der Veränderung, dass aus dem Blog bei manchen “d*r” Blog wurde und d*r nun für einen Blogeintrag steht: I would prefer not to. Nicht so. Nicht in diesem Ton. Nicht als kostenloser Spaltenfüller. ich bin ganz froh, dass die diversen Blogabgrasprojekte gescheitert sind, da brauche ich keine linke Neuauflage, weil die sich was davon erhoffen. Ich bin ganz froh, im Internet zu sein und keinen zu haben, der mich raussucht und “ehrt”.