16.2.2010 | 21:05 von DonAlphonso

Kleiner Hinweis

Das hier bleibt die Blogbar, und sie wird in nächster Zeit auch wieder häufiger gefüllt - davor war ich privat ziemlich verhindert, auf eine durchaus nette Art, aber eben doch auch sehr lange offline - aber das heisst nicht, dass die Themen nun woanders stattfinden. Auch wenn eine Art Blogbar-Text (zu meiner eigenen Überraschung) es heute zu FAZ.net geschafft hat. Als die Zeitung rauskam, war ich rodeln. So ist das, in meinem Leben.

16.2.2010 | 3:20 von DonAlphonso

Diskursmächtigkeit von Facebook

Ich traf vor ein paar Monaten mal einen Mann, der ein Webprojekt ohne Kommentare betrieb. Er hätte gern Diskurs haben wollen, aber der fand bei ihm einfach nicht statt. Allerdings sagte es, dass seine Themen ja bei Facebook diskutiert werden.

Ich habe dann mal nachgeschaut und das Ganze als ziemlich, sagen wir mal, optimistisch eingestuft. Da war nicht wirklich was los. Und auch, wenn momentan bei mir ein paar Beiträge ziemlich grosse Resonanz haben, ist die Anzahl der Leser, die über Facebook-Verlinkungen kommen, allenfalls mau. Mag sein, dass es nicht an den spannendsten Stellen debattiert wird, aber nach über einem Jahr mit einem sehr gut besuchten Blog bei der FAZ hätte eigentlich was passieren können. Das mag bei den ganz grossen Themen vielleicht anders sein, aber bislang habe ich den Eindruck, dass normal relevante Themen da keine grosse Rolle spielen. Das “Beste” war mal ein studienrelevantes Thema, das bei einer relativ grossen Gruppe mit ein paar 10.000 Mitgliedern angebracht wurde, aber selbst da war der Traffic um die 0,5% des gesamten Aufkommens bei mir. Also praktisch vernachlässigbar. Sehr viel schlechter als Blogverlinkungen, wenn man es in Relation zu den theoretischen Nutzerzahlen setzt.

Hat da jemand andere Erfahrungen gemacht? Ich frage, weil mir in einem ganz anderen Zusammenhang wahre Wunderdinge erzählt wurden, die ich absolut nicht nachvollziehen kann. Über die Intensität einer Nutzerbindung kann man bei Kontakten ja noch diskutieren, aber gerade die Sache mit den zu Facebook verlagerten Diskursen leuchtet mir beim besten Willen nicht ein.

10.2.2010 | 13:02 von DonAlphonso

Das Deutsche Feuilleton entschuldigt sich (ansatzweise) beim Internet

(Irgendeiner muss ja anfangen von dem elenden Haufen, warum also nicht ich)

Liebe Blogger und andere Nutzer des Internets,

wir bedauern zutiefst unser komplettes Versagen im Fall der von der Kulturschickeria lancierten Plagiatorin, notorischen Abschreiberin und arroganten Textdiebin Helene Hegemann, der wir praktisch umfassend aufgesessen sind, von den grossen Zeitungen, die sich etwas auf ihre Textkompetenz einbilden, bis zu den Regionalblättern, die dumm das abschreiben, was in der FAS und der Zeit an Textbausteinen versagender Mitarbeiter geliefert wurde. Der ganze Fall ist ein Armutszeugnis für unsere Branche unter besonderer Berücksichtigung einzelner Vertreter, die auch nach Bekanntwerden der ersten Lügen der angeblichen Autorin noch immer versucht haben und versuchen, dieses Vorgehen als Folge des Internets zu rechtfertigen und zu entschuldigen.

Dieser Fall hat uns drastisch vor Augen geführt, dass wir gerade nicht der Hort des reinen Kulturbewusstseins sind, und dass unsere Ansprüche, zwischen gut und schlecht, richtig und falsch differenzieren zu können, nicht der Realität der heutigen Medien entsprechen. Wir haben uns von Verlag, Autorin, der Story und gewissenlosen Vorschreibern und Nachplapperern als sensationsgeiles Starsystem vorführen lassen, wir haben unsere Standards massiv verletzt, und, noch schlimmer, uns auch noch peinlich gewunden, als längst klar war, wie falsch wir lagen. Nicht nur Frau Hegemann hat gelogen und gefälscht und sich herauszuwinden versucht - wir waren ihre Komplizen und Mittäter. Wir waren es, weil wir unser Versagen nicht eingestehen wollten, wir waren es aber auch, weil uns der Verlag, das Fressen, die geschaltete Anzeige und unsere Kontakte wichtiger als diese Blogger und das Internet waren.

Kurz, wir waren hochmütig und überheblich noch im Versagen. Weder haben wir den Vater der Autorin in die Mangel genommen, noch den Besprecher Maxim Biller, der ihn nicht kennen möchte, noch die Autorin und auch nicht den Verlag. Man hat uns, im Stil der Autorin brutal gesagt, die Lügen ins Gesicht geschissen, und wir haben auch noch “Danke” gesagt. Wir haben unseren neuen Fall “Tom Kummer” produziert, weil wir dachten, ein originäres Werk zu erkennen, wo dreist zusammengestohlen wurde. Wir unterstellten Kunst, wo Lüge war. Wir waren zu faul, um kritische Fragen zu stellen, weil wir solche Arschfick schreibenden Prinzessinnen brauchen, weil die Prinzessinnen von Gestern heute nicht mehr taugen. Wir fanden aus dem Netz stammenden Texte erst toll, als sie uns in einem uns passenden Medium als dreiste Fälschung von einer der Unseren aus dem Kulturbetrieb serviert wurden, während wir das Internet und seine Aktivisten immer noch verachteten.

Es ist eine sehr schlimme Sache, was da passiert ist. Wir deutsche Feuilletonisten möchten uns deshalb beim Internet in aller Form entschuldigen, selbst wenn wir nicht direkt Teil dieses Skandals waren.

Entschuldigt bitte unser Fehlverhalten.

Don Alphonso

5.2.2010 | 11:45 von DonAlphonso

Was ich gerne mal lesen würde

(Man verziehe die Pause an der Blogbar, aber momentan nimmt mich mein Privatleben deutlich mehr als üblich in Beschlag, und irgendwo muss man Abstriche machen)

Es gibt einen Nachtrag zu diesem Überblick über das Versagen von 2009: Mich würde wirklich, allein aus fachlichem Interesse heraus eine Antwort erfreuen. Eine Antwort einer in der Blogosphäre weitherumgereichten Person, die als Spezialist für Bewegtbild im Internet gilt, was ich nicht ganz verstehe, weil seine Produkte meines Erachtens lediglich Bauchpinselei seiner Zielgruppe sind: Mario Sixtus.

Mario Sixtus betreibt bekanntlich “Blinkenlichten”, eine Firma für Internetvideos. Er hat auch oft eine nicht ganz kleine Klappe, wenn es darum geht, anderen Strategien - am besten mit Internetvideos - für das Netz zu empfehlen. Dafür gab und gibt es - teils gebührenfinanzierte - Kundschaft, aber eben auch einen Kunden aus der Privatwirtschaft: Die WAZ. Dafür machte Blinkenlichten die Reihe “Lostindeutschland“. Eine Serie, die der mauen Kommentarbeteiligung zufolge ähnlich gut ankam wie die üblichen WAZ-Blogs, nämlich eher schlecht. Das ist jetzt vorbei, bei Blinkenlichten steht:

Schön war’s, und wenn der Volksmund Recht hat, soll man dann ja bekanntlich aufhören. Das haben wir getan.

Wäre das Projekt rasend gut angekommen, oder so wichtig geworden, wie es gerne von Videos im Netz behauptet wird - dann hätte man es wohl kaum eingestellt. Insofern wäre eine Fehleranalyse vielleicht mal ganz nett, ein paar öffentliche Gedanken darüber, warum das Projekt weder inhaltlich noch ökonomisch so toll gelaufen ist, dass man da von “Zukunft” sprechen könnte - statt den dürren Worten vom Aufhören, wenn es am Schönsten ist. Das würde eigentlich dazu gehören, wenn man als ernsthafter Vertreter der Zunft gelten will, und nicht nur als Hypefigur, die plötzlich wortkarg wird, wenn es nicht so läuft, wie man das blumig andernorts behauptet.

28.12.2009 | 23:08 von DonAlphonso

Was 2009 nicht gekommen oder aber gegangen ist

Erstaunlich viele von Bloggern o. ä. mehr oder weniger gut angeschobene Projekte:

Wirtschaft2 - der geplante Wirtschaftsableger des “Medienbranchendienstes” Turi2 des Mehrfachpleitiers Peter Turi ist am 30.6.2009 mit dem letzten Beitrag vorstellig geworden. Seitdem schweigt das Projekt. Auch aus der am 9.11.2008 gross angekündigten internationalen Expansion und Mitarbeitersuche für einen internationalen Mediendienst ist nichts erkennbares geworden. Neue Produkte lassen noch auf sich auf sich warten. Ich vermute mal, dass meedia.de - das manche als Abschreibedienst bezeichnen, was aber meines Erachtens viel zu hart ist - den Markt inzwischen hübsch dicht gemacht hat.

Buzzriders - war für mich sowas wie die Überraschung des Jahres, denn ich hätte nicht gedacht, dass Robert Basic nach einem Jahr nicht mehr als den geplanten Verkauf seines Twitteraccounts zu vermelden hat. Für Internetgeschwindigkeit ist das ziemlich mau. Ein Jahr ist eine verdammt lange Zeit im Netz und für Robert - allerdings versucht AOL in den USA gerade was ähnliches, und ich bin mal gespannt, welchen Bullshit die Telekom im Netz versucht: Das sind die grossen Kaliber 2010.

Blogjournalisten - Disclosure: Ich habe mit den Betreibern Dotcomtod zu dem gemacht, was es war - es macht nicht gerade Spass, Projekte von Leuten verschwinden zu sehen, von denen man weiss, dass sie es eigentlich können.

Zoomer.de - kommt man darauf zu sprechen, geht es mir gleich wieder besser: Der Versuch von Holtzbrinck, sich an das vermutete Subniveau von StudiVZ-Nutzern ranzuschleimen, setzte zu tief unten an und wurde eingestellt.

Die Vorgänger dieser Pleite waren auf Papier und auch nicht erfolgreich - Holtzbrinck vertraute bei Business News und News Frankfurt auf einen gewissen Klaus Madzia. Der lässt seit ein paar Monaten nun durchsickern, mit seinem next247 “The online magazine about the future. all about the next big thing.” machen zu wollen. Man darf gespannt sein, ob das kommt, oder nicht, oder so wie andere Versuche. Für den madziatypischen Anspruch ist das bisherige Ergebnis eher, naja, auch irgendwo typisch.

Habe ich was vergessen?

Ach so, Adnation gibt es immer noch irgendwie, hört man. Aber nicht mehr viel. Kein Lobo, kein Haeusler und kein Niggemeier mag da noch gross was zu sagen, Professionalisierung und so.

Für 2010 habe ich übrigens mit der Onlineplattform der Zeitung Freitag einen klaren Kandidaten für wenigstens ein Ende vieler Bloghoffnungen. Ebenfalls wenig Chancen würde ich mir für die dümpelnden Web2.0-Projekte von derwesten ausrechnen.

14.12.2009 | 16:24 von DonAlphonso

Blog-PR das Maul stopfen

ist ganz einfach:

Hallo Herr xxxxxx,

mein Name ist Nicole K. und ich arbeite für eine Online T-Shirt Druckerei (Eine Klitsche namens shitway oder so ähnlich, Anm. d. Red.).
Im Zuge miner Öffentlichkeitsarbeit bin ich auf Ihren Blog gestoßen.
Ich finde Ihren Blog sehr interessant und wollte daher fragen, ob es möglich wäre ein Link oder ein Gastbeitrag zu positionieren, in dem wir unsere Druckerei vorstellen!

Viele Grüße

Antwort:

Guten Tag,

an welche Gegenleistung haben Sie dabei gedacht? Und welches meiner
Blogs meinen Sie?

Mit besten Grüssen

Danach keine Raktion mehr. Die Kommerzbloggerei muss ja echt abgefuckt sein, wenn nicht mal mehr Werbe-T-Shirts für Schleichwerbung angeboten werden. Kein Wunder, wenn käufliche Blogger alle so abgerissen aussehen.

12.12.2009 | 22:08 von DonAlphonso

Dieser Tage, da derWesten endlich rasiert wird

Ich muss Thomas Knüwer deutlich widersprechen: Bei DerWesten, dem Onlineportal der WAZ, stirbt keine Kultur. Bei DerWesten wird demnächst vermutlich ein misslungenes Projekt plattgemacht, weil dieser Versuch nicht mal ansatzweise in der Lage war, etwas zu werden, was man als Kultur bezeichnen könnte.

Es ist halt auch immer die Frage, wie man Projekte erlebt - ich persönlich wurde unter lächerlichen Umständen angesprochen, ob ich für die arbeiten wollte, anders sollten sich für 300 lunmpige Euro abspeisen lassen, und wem das zu wenig war, der durfte sich von der Chefin Sprüche anhören, dass sie trotzdem mehr als andere bezahlen würden - und wer nicht wollte, sollte es bleiben lassen. Und wer es doch wollte, wurde mitunter bald wieder gefeuert. Zur Erinnerung, die Chefin sagte noch vor Beginn des Projekts, als es das führende Web2.0-Angebot und das modernste aller Nachrichtenportale werden sollte:

wir werden hoffentlich möglichst viele motivierte freie Blogger beschäftigen können, die angemessen bezahlt werden, also nicht hier mit wie in anderen, von anderen Projekten bekannten irgendwelchen lächerlichen Beträgen abgespeist werden und ich möchte einfach Lesern die Gelegenheit geben sich zu beteiligen sei es durch Kommentare oder bloggen oder Photos oder Videobloggen oder sonstwas.

Super! Wobei es im Oktober 2006 auch hiess:

Das Ganze genieße, so Reitz, bis in die beiden Eigner-Familien höchste Priorität und es werde (ungewohnt für die als knauserig bekannte Gruppe) „richtig viel Geld“ in die Hand genommen.

Egal, womit die bei Thomas erwähnten, hohen Verluste des Portals entstanden: Ganz sicher sind sie nicht bei der Bezahlung jener Leute entstanden, die die rausgepusteten hohen Qualitätsansprüche liefern sollten. Die wurden bei derWesten nicht erfüllt, und schon gar nicht in den Blogs. Die Abrufzahlen des Ladens sind sicher nicht so schlecht, weil die Inhalte so gut sind. Wenn Thomas die teuren Berater beklagt, die jetzt an Bord kommen: Auch schon früher waren bei derWesten Berater nicht umsonst unterwegs. Das, was man jetzt vorfindet, von den laschen Blogs über die nicht funktionierende Communitybildung und das ungebrauchte Geotagging bishin zum Versagen, eine Dachmarke für eine Region zu schaffen - das ganze Desaster hatte drei Jahre Zeit, sich zu entwickeln, es hatte viele Möglichkeiten und viel Geld, und das, was es momentan ist, ist das Ergebnis: Von Anfang bis Ende durchgezogen, bis heute kaum verändert, nicht attraktiver, und immer noch Sammelstelle banaler Nachrichtentexte, die man so überall findet. Ein klein wenig Web2.0-Fassade. Und ganz sicher nicht die digitale Heimat einer Region, in der, weil man angeblich sparen musste, die Journalistenstellen massiv zusammengestrichen wurden.

Insofern ist derWesten ein typisches Medienprodukt unserer Zeit: Riesenklappe, Riesenansprüche, innovationsgeil bis zum Anschlag und bis in die Knochen minderwertig, banal und öde. Jetzt kommt mit Ulrich Reitz (siehe das “richtig viel Geld” oben) ein anderer Chef: Ich sass bei den Medientagen neben ihm, als er die Kündigungsorgie als Zeotungsrettung verkaufte. Der wird das Ding ohne jeden Zweifel massiv beeinträchtigen und verändern. Es wird, zumindest ist meiner Erwartung, eine miese Zeit werden, exekutiert an einem miesen Produkt. Hätte es bei derWesten nur ein paar der selbst formulierten Zielen erreicht, wäre es vielleicht besser. Ist es aber nicht. Es ist ein prima Beispiel, wie man es nicht machen sollte. Aber vermutlich kratzen gerade in diesem Augenblick schon die nächsten vollmundigen Berater an den Verlagstüren bei inkompetenten Managern, um zu erzählen, dass Twitter der neue Journalismus ist, und Inhalt nicht mehr zählt.

8.12.2009 | 19:38 von DonAlphonso

Zwei Gruppen, denen ich angehöre, und die mich fassungslos machen

Das eine ist die SPD. aber von der bin ich das gewohnt.

Das andere sind die Blogger.

Weil, wir haben eine gelbschwarze Regierung, die gerade massiv auf dem Umverteilungstrip ist, massenhaft Fehler macht und nebenbei auch wirklich heftige Themen wie die Verlängerung von Atomkraftwerkslaufzeiten und mehr Truppen für Afghanistan fährt.

Beide Gruppen bekommen ihr Maul nur sehr begrenzt auf, die SPD, weil sie in einer Krise ist, und die Blogger, weil man sich entweder nichts verscherzen will (die Unfähigkeit, sich zur Wahl als Plattform zu verkaufen, wirkt da vielleicht noch etwas nach, gell, die Herren in Berlin), weil man zufrieden ist, dass die Internetzensur vielleicht doch nicht kommt und die neue familienursula auch twittert, oder weil man einfach keine Ahnung von den Zusammenhängen hat, wie schon bei der Finanzkrise. Hey! Regierungswechsel! Gelbschwarz! Da könnte man was machen.

Man kann es natürlich auch bleiben lassen. Bis zur nächsten Wahl sind noch vier Jahre hin, und wenn man bis dahin weiterlügt, dass Obama die Wahl durch Twitter gewonnen hat, glaubt einem das dann vielleicht auch irgendein Kunde mit Parteibuch.